Der Renaissance-Künstler Ligier Richier, um 1500 in der lothringischen Stadt Saint-Mihiel geboren, erhielt ab 1530 durch seinen einflussreichen Protektor Herzog Antoine von Lothringen die ersten Aufträge an bedeutenden Bauvorhaben. Sein bevorzugtes Material war Holz und feiner heller Sandstein aus der Region um St. Mihiel und Sorcy. |
pro-arts.info Er entwickelte und perfektionierte Poliertechniken, die dem regionalen Grundstoff eine fast marmorartige Oberfläche gaben. Ligier Richier orientierte sich zunächst in Stil und Motivwahl an der Ikonigrafie der Stiche Dürers und Mantegna sowie an der zeitgenössischen Glaskunst und Malerei. |
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Bis zu seinem Tode im Jahr 1566 oder 1567 in Genf unterhielt er eine Kunstwerkstatt, deren Werke in eindrucksvoller Weise und in besonderer Einmaligkeit den Kunstschatz Lothringens bereichern. Zentrales Thema seines Schaffens war die Passion Christi sowie weitere religiös spirituelle Bereiche. Die ausdrucksstarken Werke des Meisters machten ihn bereits zu seinen Lebzeiten berühmt und üben auf den Betrachter eine teils schaurig schöne Faszination aus. Sein Umgang mit dem Thema Tod und die Plastizität seiner Werke war zu seiner Zeit revolutionär und wirft noch heute Fragen auf, deren Erklärung wohl nur in der enormen Spiritualität des Künstlers zu suchen sind. |
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Um 1550 führte Richier Ligier eines der berühmtesten Grabmäler seiner Zeit aus. Für das Grabmal von René de Chalon, einem Schwager des Herzogs Antoine von Lothringen, entstand "das Skelett", eine der wohl berühmtesten Figuren des Künstlers. Hier brach Richier unverholen mit allen Traditionen und gab dem Tod ein nahezu unglaubliches, bis dahin unbekanntes Bild. |
Geradezu stolz und heroisch erhebt der als Skelett symbolisierte Tod den hoffnungsvollen Blick gen Himmel. In der Rechten umfasst die Figur den Schild und die linke Hand streckt ein herausgerissen erscheinedes Herz in die Höhe. Das dürfte so manchen Zeitgenossen erschüttert haben, war der Tod zu dieser Zeit doch eher ein abschreckendes und ungehöriges Thema. |
Zu der vom Kruzifix dominierten Kreuzigungsgruppe gehörten in dieser Zeit üblicherweise mehrere Figuren. Dies waren die Gekreuzigten rechts und links sowie Johannes, die Mutter Gottes und die trauernde Maria Magdalena. Dies entsprach dem Bild der verwurzelten Frömmigkeit und wurde von allen vorangegangenen Künstlern in nur geringen Variationen dargestellt. Mit dieser tradierten Darstellung hatte Ligier Richier gebrochen. |
Es war im Laufe der Jahrhunderte üblich, dass Skulpturen
immer wieder ihre Standorte wechselten. Veränderte Machtverhältnisse,
sich wandelnde Rangfolgen in der Bedeutung einzelner Kirchen, aber
auch Zerstörung von Gebäuden oder Umwidmungen führten zu diesen Wanderungen
von Kunstschätzen. Manchmal waren es auch Eroberungen und die damit
einhergehenden Beutezüge, die selbst vor sakralen Kunstschätzen nicht
haltmachten. |
Daher befinden sich zahlreiche Artefakte nicht
mehr am ursprünglichen Platz. Figuren gruppen wurden so auch immer
wieder neu kombiniert und mussten sich in einem sich wandelnden Umfeld
dem jeweiligen Zeitgeist ergeben. So erging es auch der Frommen Frau mit Haube als Teil einer Figurengruppe in Clermont-en-Argonne. Der Ursprung dieses Standbildes wird in einem Kloster in Verdun vermutet. Sie wurde zu einem späteren Zeitpunkt mit anderen Figuren aus verschiedenen Entstehungszeiten zusammengestellt. |
Die in der Renaissance übliche
Monochromie wich später einer Farbgebung, wie sie in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts üblich wurde. Wie es scheint, wurde das Ensemble also
nachträglich bemalt. Der Weg der Gruppe in die Pfarrkirche Saint-Didier
führte über die Sainte-Anne-Kapelle am Schloss von Clermont. Die Ausführung der Oberflächenstruktur der Figur des liegenden Christus legt die Entstehung vor dem 16. Jahrhundert nahe, während die Holzengel auf das 17. JH datiert wurden. |
In dieser ohnehin uneinheitlichen Gruppe zeigt sich gerade bei der Frommen Frau mit Haube eine gewisse Eigenständigkeit. Vermutlich stammt sie aus einer Grablegungsgruppe. Man ist sich mit der Zuordnung zu Ligier Richier nicht ganz sicher. Der Einfluss des Meisters ist aber für Viele zu erkennen, daher wird hinter diesem Werk zumindest ein Schüler oder Mitarbeiter von Ligier Richier vermutet. |
Unterschiedliche Zeiten stellten unterschiedlich Teilszenen in den Mittelpunkt der künstlerischen Darstellung. Im heutigen Sprachgebrauch könnte man diese Praxis mit dem keinesfalls abwertend gemeinten Begriff Mode umfassen. Die Darstellung der Pietà war in der Bildhauerkunst seit dem frühen 14. Jahrhundert gebräuchlich, sie stellt den Erlösungsgedanken in den Vordergrund. |
Dargestellt wird der abgenommene Leichnam oder der Sterbende in den Armen der Muttergottes. Eine solche Komposition befindet sich auch in der Pfarrkirche von Etain und wird Richier zugeschrieben. Die Madonna von Génicourt-sur-Meuse kann Meister Richier nicht direkt zugeordnet werden, stammt aber aus seiner Schaffenszeit und befindet sich zusammen mit einer sehenswerten Kreuzigungsdarstellung in der Kirche von Génicourt. |
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