Internationale Hinweise
Literatur


Literatur umfasst im weiteren Sinne eigentlich alles, was irgendwo geschrieben steht und gelesen werden kann.
Ein besonderer intellektueller Anspruch lässt sich alleine daraus sicher noch nicht ableiten.
Wird dieser Anspruch erhoben, um etwas Geschriebenes der Literatur zurechnen zu können, ist die Abgrenzug schwierig, weil stets subjektiv.
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Bestimmten Leserkreisen ist klassische Literatur die einzig hochwertige Lektüre, sodass alles ausserhalb dieser Kategorie dieses fast schon heiligen Begriffes unwürdig ist. Oft wird der eigene Geschmack so dominant in die Wertung einbezogen, dass die Nähe zur Ignoranz erschreckend offensichtlich wird. Findet der Urteilende sein Publikum, wird er schnell zum Literaturkritiker, der seine Meinung dann selbst meist schriftlich publiziert, also selbst zum Verfasser lesbaren Stoffes wird, dessen Objektivitätsanspruch dieser dann bitterlich verteidigt.

Erreicht dieser Publizist, mit welchen Mitteln und Fürsprechern auch immer, eine Art Unantastbarkeit, gelingt es ihm, den Status des Unkritisierbaren zu erlangen, verleiht man ihm gerne einen Titel wie Literaturpapst, was dessen Reputation erstaunlicherweise noch fördert. Gerade belesene Kreise sollten sich dabei im klaren sein, dass es immer wieder ausgerechnet die Päpste waren, deren Vertretungsanspruch auf die einzige und reine Wahrheit freie Publikationen gewaltsam verhinderten.



 


So lange der Markt auch in diesem Segment seine Kräfte entfaltet, ist es letztlich der Leser, der darüber befindet, welche Form der Literatur gut und dienlich ist. Das höchste Gut sollte hierbei das freie Wort sein. Dieses musste in der Geschichte immer wieder aufs neue erkämpft und erstritten werden.
Seit der Entwicklung von Schriftzeichen entsteht Literatur, und seit der ersten Aufzeichnung wurde in allen Kulturen Literatur verändert, gefälscht, missbraucht, unterbunden und sogar bewusst vernichtet.



Epochen des freien Wortes waren stets nur von kurzer Dauer und wurden immer recht zügig in eine Form der nur noch relativ freien Meinungsäusserung überführt. Da dieser Prozess schleichend erfolgt, wird er zeitnah kaum wahrgenommen. Erst in der Retrospektive wird der faschistoide Charakter solcher einschränkenden Perioden erkannt.


Jede Form der schriftlichen Aufzeichnung geht einher mit spezifischen Vernichtungs- und Unterdrückungsmethoden. Steinerne Zeugnisse wurden dem Erdboden gleichgemacht, reisende Geschichtenerzähler diffamiert und aus der Gesellschaft ausgeschlossen sobald sie unbequem wurden, Auftragskopisten fälschten und selektierten weisungsgebunden. Die erfolgreichste Methode, die Verbreitung des geschriebenen Wortes zu steuern oder gar zu verhindern, war von je her die Pflege eines möglichst geringen Alphabetisierungsgrades, sodass nur ausgesuchte Kreise die Hoheit über die Verbreitung geschriebener Inhalte behielten.

In grosser Zahl wurden Schriften erst ab dem 15. Jahrhundert verbreitet, nachdem der Buchdruck die technische Grundlagen geschaffen hatte. Von nun an war das Meinungs- und Informationsmonopol in Gefahr.
Der bis dahin bereits immer wieder praktizierte Ikonoklasmus innerhalb oder gegenüber bestimmter Glaubensrichtungen bekam Familienzuwachs, und der Biblioklasmus wurde zur Antwort auf unliebsame Druckwerke.
Es musste aber nicht gleich die öffentliche Verbrennung von Bildern, plastischer Kunst oder Druckerzeugnissen sein, Zensur fand und findet oft im Verborgenen statt.

Einen historischen Höhepunkt erreichte die Einflussnahme in der Römischen Kirche, als selbst Konkurrenzen der kirchlichen Zensurinstanzen untereinander entstanden. Verschiedenste theologische Fakultäten und somit deren jeweiliger Mönchsorden nahmen das Vertretungsrecht der Wahrheit für sich in Anspruch. Im Zuge der Inquisition perfektionierte man das Schriftenverbot bis hin zum berühmten Index im 15. Jahrhundert, den es bis 1966 geben sollte. Ironischerweise diente zeitkritischen Geistern allerdings ausgerechnet dieser Index als eine Art Leitfaden durch die Weltliteratur.

Noch heute verwehrt sich die katholische Kirche gegen sogenannte Häresien, also abweichende Glaubensvorstellungen. Nur nennt sich die dafür eigens bestehende Institution nicht mehr Inquisition. Die nicht so vorbelastet klingende Bezeichnung "Kongregation" hat die Aufgabe, die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und zu schützen. Präfekt dieser Institution war übrigens bis 1981 der inzwischen zum Papst beförderte damalige Kardinal Ratzinger.

Auch die als gar so liberal geltende Protestantische Kirche kennt die Zensur. Da in der Regel die Fürsten zugleich Landesbischöfe waren, ist hier ein entscheidender Brückenschlag von der kirchlichen zur staatlichen Zensur zu sehen.
In der jüngeren Tradition von staatlicher Zensur und Publikationsbeschränkung finden sich eine Reihe von Machthabern, die sich um die Fortschreibung dieser Praktiken bemühten.

Im 18. Jh war es das Zensuredikt von Friedrich II von 1772, das Erneuerte Censur-Edict durch Friedrich Wilhelm II von 1788 und Napoleons Zensurgesetze griffen 1803 auch auf die Staaten Baden, Bayern und Rheinland über, Württemberg wurde 1806 ebenfalls diesen Einschränkungen unterstellt. Bis 1809 war es dann gelungen, in jedem Ort, der über eine Buchdruckerei verfügte, auch einen Zensor zu etablieren.

Im Artikel 18 der Deutschen Bundesakte von 1815 findet sich dann der Beleg für ein bemerkenswertes Bemühen um die Freiheit des geschriebenen Wortes.
Im Text heisst es :
Die Bundesversammlung wird sich bei ihrer ersten Zusammenkunft mit Abfassung gleichförmiger Verfügungen über die Pressefreiheit ... beschäftigen.
Dieses Bemühen war nicht von langer Dauer, bereits 1819 erfolgte in den Karlsbader Beschlüssen die Wiedereinführung der Zensur.

Aufkommende Freiheitsbewegungen in verschiedenen Ländern Europas beantwortete die Politik in bis heute gewohnter Weise. Anstelle einer konstruktiven Auseinandersetzung mit den publizierenden Andersdenkenden trat 1830 eine weitere Verschärfung der Zensurbestimmungen. 1848/1849 wurde im Zuge der Deutschen Revolution erneut der Ruf nach uneingeschränkter Pressefreiheit laut. Wie zu erwarten war das Aufflammen freier Publikation auch wieder nur von kurzer Dauer.

Im Jahre 1900 untersagte die Lex Heinze die öffentliche Darstellung "unsittlicher“ Handlungen in Kunstwerken, Literatur und Theateraufführungen. Es wurde üblich, Lesungen, Theaterstücke und andere kulturelle Veranstaltungen als Geschlossene Gesellschaft zu deklarieren. Somit befanden sich weite Kreise in Literatur und Kunst sowie Teile der Bildungsschicht quasi im Untergrund.
( Zitat )...Neben der Gefängnisstrafe kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte sowie auf Zulässigkeit von Polizeiaufsicht erkannt werden...

Offiziell dienten die Massnahmen der Unterbindung moralisch verderblicher und obszöner Darstellungen, waren aber auch sehr schnell geeignet, unliebsame politische Äusserungen zu ersticken. Öffentliches Ärgernis lässt sich eben zu jeder Zeit nach Bedarf definieren.
In den folgenden Kriegs- und Diktaturzeiten versteht es sich fast schon von selbst, dass freie Publikationen nahezu unmöglich waren.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgte zunächst eine Lizenzierungspflicht für alle Druckerzeugnisse seitens der Besatzungsmächte.

Die Lizenzpflicht in den westlichen Besatzungszonen endete 1949 und im Artikel 5 des Grundgesetzes war der hoffnungsfrohe Satz zu lesen : "...Eine Zensur findet nicht statt..."
Bis auf sehr wenige Ausnahmen folgten Jahrzehnte freier Publikationen, wie man sie aufgrund historischer Gegebenheiten kaum hätte erwarten dürfen. Das Schreiben und Publizieren auch noch so kritischer oder querdenkerischer Art war offiziell möglich und erlaubt. Kleinere Attacken gegen diese Freiheiten konnten stets erfolgreich abgewehrt werden. Faschistische Machenschaften waren noch in der Erinnerung präsent genug, Gefahren aufkommender Zensur sensibel zu erkennen.


Im ausgehenden 20 Jahrhundert war es dann wohl mal wieder zu lange her, dass der lange Arm der Politischen Kaste sich der schreibenden Zunft bedient hatte, um eigene Ziele der Öffentlichkeit zu indoktrinieren und oppositionelle Kräfte zum Schweigen brachten.

Die heutige Form der Publikation ist das Internet. Hier ist äusserste Aufmerksamkeit gefordert, wenn es darum geht, dieses Medium zu schützen. Die staatlichen Begehrlichkeiten keimen seit vielen Jahren, und mancherorts entdecken wir schon das erste Grün der giftigen Zensurpflänzchen.

Wehret den Anfängen und lasst diese Pflanze bloss nicht zur Blüte kommen !

Stets stellt sich die Frage nach der Hoheit, über Literatur oder Nicht-Literatur zu befinden.

Entscheidet man unter Berücksichtigung Volkes Stimme, so avanciert manch ein Werk von der schlichten Lektüre zu hochgeschätzter Literatur. Nicht jeder erlauchte Kenner gibt gerne zu, dass er Gefallen an den berühmten Galliern findet, die in unnachahmlich origineller Weise ganzen Schülergenerationen ein greifbares Bild gallo-romanischer Geschichte und Lebensweise gaben.
Legt man Verkaufszahlen und die Sprachenvielfalt der Übersetzungen mit zugrunde, zählen auch Verfasser wie ein René Goscinny zu den grossen Weltliteraten. Seine 160 Geschichten des Kleinen Nick , entstanden ab den 1960-er-Jahren, wurden in 30 Sprachen übersetzt und verkauften sich in Millionenauflagen. Erstausgaben sind heute beliebte Sammlerstücke.

Das gilt auch für seine wohl bekannteste Schöpfung, die zahlreichen Geschichten um Asterix, Obelix und natürlich Idefix, den späteren Namensgeber für die Pariser Trickfilmstudios.
Zusammen mit dem begnadeten Zeichner Albert Uderzo entstanden die unsterblichen Gallier und eroberten die Welt, indem sie geschichtlich fundierte Episoden des Zeitgeschehens aus römischer Besatzungszeit humorvoll einem generationsübegreifenden Leserkreis und selbst einem breiten Kinopublikum vermittelten.





     
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