Elektroautos könnten eine Alternative zu unseren seitherigen PKW mit Elektroantrieb sein. Wichtigster Bestandteil der Diskussion um den Elektroantrieb ist aber leider immernoch der Konjunktiv, und er wird es aller Voraussicht nach auch bleiben müssen. So schön die Utopie des vermeintlich sauberen Fahrens auch sein mag, einem Fahren ohne Lärm und Abgas, die Realitäten stehen nun mal dagegen. |
pro-arts.info Zunächst setzt eine Umstellung auf Elektroantrieb beim PKW ein grundsätzliches Umdenken bezüglich unserer Ansprüche an Form und Umfang der Mobilität voraus. Viele Eigenschaften heutiger Fahrzeuge stehen dabei zur Disposition. Wir sind es gewohnt, Reichweiten von mehreren hundert Kilometern als normal zu betrachten. Die ersten Fahrzeuge schafften es bis zur nächsten Apotheke, wo es dann Benzin gab. Viel besser kann es mit einem realisierbaren Elektroantrieb auch nicht aussehen, sind die Batterien doch der grösste Gewichts- und Kostenfaktor. |
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Gewichtsersparnis und die Reduktion von Luft- und Rollwiderstand sind Grundvoraussetzung für den realistischen Einsatz des E-Antriebs. Gewicht könnten wir reduzieren, indem wir auf möglichst viel verzichten : dünnere Bleche oder Kunststoffe, dünneres Glas, keine Servomotoren für die Verstellung von Sitzen, Lenksäule, Spiegel, Lüftung, keine unterstützten Türöffner, Fensterheber Schiebedächer keine Breitreifen, Klimaanlagen, fette beheizte Ledersitze.... |
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Zunächst
muss es leicht sein, das steht ausser Frage. Das Mindestgewicht ergibt
sich aus den Antriebskomponenten und dem dazu passenden eigentlichen
PKW, der die ausreichende Tragfähigkeit besitzt. Eine solche Karosse ist mit wenigen hundert Kilogramm Rohgewicht realisierbar. Hinzu kommen nun Antrieb und Nutzlast, also Fahrer, Motoren, Steuerungen und Batterien sowie ein eventueller Passagier und Transportgut. |
Erreichen wir nun eine mögliche Gesamtmasse von beispielsweise einer Tonne, verstärken wir die Achskonstruktionen und auch den Rest der Bodengruppe, womit das Leergewicht steigt. In der Folge ergibt sich die Notwendigkeit stärkerer Motoren und somit auch grösserer Batteriespeicher. Wo diese Spirale endet, entscheiden die Vorgaben aus dem Lastenheft des Kunden. |
Stellen
wir uns nun die Frage, wo wir als Verbraucher bereit sind, unseren
Mindeststandard zu definieren, sollten wir Bescheidenheit üben. Das
bezieht sich auf liebgewonnenen Comfort wie auch auf Geschwindigkeit
und selbst auf sicherheitsrelevante Eigenschaften der Fahrzeuge.
Hilfreich ist dabei die Rückbesinnung auf inzwischen museale Autos,
die der eine oder andere noch kennen mag. |
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In Anlehnung an die berühmte Ente, die 2CV unserer Französischen Nachbarn ergäbe sich eine Fahrzeugbeschreibung wie folgt : Antrieb - 4 Nabenmotoren zu je 5 KW Batteriespeicher aus Standard-Gel-Akkus zu je 12 V, um die Sache bezahlbar zu halten Einfachste Regeltechnik ohne Nutzbremse Höchstgeschwindigkeit - ca. 120 km/h Reichweite - 50 km Gewicht - leer 1000 kg max 1400 kg |
- Die schmalsten Reifen sind schon fast zu breit ( die Ente hatte 125er ) - Das Blech wird etwas flatterig sein, Kunststoffe sind denkbar ( hat beim Trabi auch funktioniert ) - Die Sitze erinnern an Strandurlaub - Fahrerisches Können ist wieder gefragt, und Kurven werden wieder langsamer und wohlüberlegt angegangen ohne ESP, ASR, ABS, etc. - dünne Scheiben machen Windgeräusche - dank schmaler Reifen und geringen Gewichts wird auf die Servolenkung verzichtet - Das Stoffdach erlebt eine Renaissance - Anhänger können nur noch mit Sonderfahrzeugen genutzt werden. |
Solche Fahrzeuge sind denkbar. Es ist abzusehen, dass bereits lange vor einer Serienfertigung die Vokabeln wie Gehhilfe, Rolli, Grossraumrollator, Staniolbüchse oder Windei zum Standard werden. Niemand wird zur Rückbesinnung bereit sein, an Zeiten, in denen ein Schüler sich noch über sein Fahrrad freute, ein Student das klassische Studentenauto als Traum vor Augen hatte, sein Professor stolz dem Renault 4 entstieg. Es war die Zeit der ungetrübten Prosperität einer Wirtschaft, die mit einer 48-Stunden-Woche den ersten Familien den comfortablen Segen eines 200er Diesel mit 55 PS bescherte, während Isetta, Cinquecento, Deuxchevaux meist nur vom Käfer übertroffen wurden. |
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Der Liter Benzin kletterte über eine Mark, da wurde bei so manchem ein ganzer Tages-Nettolohn für eine Tankfüllung geopfert. Autofahren war Luxus, selbst mittlere Angestellte wussten, wie ein Linienbus oder die Strassenbahn von innen aussieht. Durchschnittsautos kosteten einen halben Jahreslohn und entsprachen nicht ansatzweise dem, was wir heute als Grundausstattung bezeichnen würden. ...und das nur aus der Sichtweise der Alten BRD - der "Osten" fuhr noch ganz anderes, wenn überhaupt... |
Nur wenn wir dazu wieder bereit sind, haben alternative Fahrzeuge eine Chance. Wenn wir begreifen, dass Mobilität ein hohes Luxusgut ist, wenn wir bereit sind, den Lohn für sehr viel harte Arbeit in den Erwerb und Erhalt dieser Mobilität zu investieren, werden Alternativen möglich. Die automobile Zukunft wird teuer, unkomfortabel und bleibt ökologisch fragwürdig. Das ist nicht einmal die Emissionsfrage ( da ist jeder einzelne Vulkan schon immer "besser" gewesen ), es sind vielmehr die Ressourcen, die uns die Grenzen aufzeigen werden. |
Eine wirkliche Alternative stellen Elektroantriebe aber ohnehin erst dar, wenn auch die Frage der Primärenergie gelöst wird. So lange wir endliche fossile Brennstoffe verwenden, um mit geringem Wirkungsgrad daraus den Strom zu erzeugen, den wir anschliessend als vermeintlich sauberen Antrieb unserer Elektroautos verwenden, ist der Ruf nach dem E-Fahrzeug leider nicht sinnstiftend. Wenn wir bereit wären, mit der heutigen Technologie von Verbrennungsmotoren, Autos zu akzeptieren, deren Leistungen denen von "damals" entsprächen, wäre schon viel geholfen. ...aber da sind wir schon wieder beim Konjunktiv... |
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Und wie gehen wir nun argumentativ mit dem Thema
Elektroauto um ?
Bisher finden sich kaum Argumente, die sich nicht sofort zerreden, wenn nicht gar widerlegen lassen. Die Idee des Elektroantriebs ist absolut nicht neu, hat aber an Reiz nie verloren. |
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Dennoch :
Mit der derzeitigen Batterietechnik ist ein breiter Einsatz nicht möglich - es gibt schlicht zu wenig Lithium. Das begehrte weisslich-graue Alkalimetall leitet sich namentlich zwar vom griechischen"lithos" ab, ist aber leider nicht so leicht in ausreichender Menge verfügbar wie "Stein". Lithium gewinnt man aus Bergbau und auf industrielle Art aus geeigneten Salzlaugen. Die Vorkommen sind begrenzt und werden, bezogen auf die Weltbevölkerung, auf nur wenige Kilogramm geschätzt. Es scheint also schon in der Theorie unmöglich, jedem Erdenbürger einen zentnerschweren "Lithiumakku" zu bauen. |
Eine "saubere" Deckung des Strombedarfs ist angesichts der heutigen Kraftwerke fragwürdig. Fossile Brennstoffe durch den Kamin zu jagen, um dann mit dem Strom vermeintlich sauber zu fahren, kann nicht die Lösung sein. Ebenso unverantwortlich ist der Betrieb von AKWs, deren Produkt von einigen Zynikern gar als "Klimastrom" gepriesen wird. Bis wir in der Lage sind, den Strombedarf für unsere elektrische Mobilität vollständig regenerativ zu decken, werden wohl noch Generationen vergehen. Bis dahin eignet sich der Elektroantrieb bestenfalls als Nischenlösung. |
Um eine möglichst breite Anwendung dieser prinzipiell sicher sinnvollen Technologie zu ermöglichen, gilt es vornehmlich, behutsam und ökonomisch mit den Ressourcen umzugehen, die dafür benötigt werden. Die Jagd nach Spitzenleistung ist dabei nicht zielführend. Elektroautos mit hunderten von PS, Höchstgeschwindigkeiten wie bei benzinfressenden Kraftboliden mit Verbrenner oder komfortgeschwängerte Schwergewichte mit E-Antrieb werden immernoch als innovative Highlights des Ingenieurwesens gefeiert. Und genau davon müssen wir uns zu aller erst verabschieden ! |
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Erst
umdenken, und dann umsteuern, sonst wird nichts
draus ! Mit dem Anspruchsdenken von gestern und den Technologien von morgen lassen sich die Probleme von heute nicht lösen. |
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